Fünf vor Zwölf im Mölltal: Ein Appell zur Rettung unseres Schutzwaldes

Liebe Waldbesitzer, liebe Jäger, liebe Politiker und liebe Bewohner des Mölltals,

wir stehen an einem Wendepunkt. Wer heute noch glaubt, wir könnten unsere Wälder so bewirtschaften wie in den letzten Jahrzehnten, verschließt die Augen vor der Realität. Ein Weiter wie bisher wird unsere Talschaft geradewegs in die Katastrophe führen.

Unser Wald im Mölltal ist nicht einfach nur ein Wirtschaftsfaktor oder eine malerische Kulisse – er ist in erster Linie Schutzwald. Er bewahrt unsere Dörfer, Straßen und Familien vor Lawinen, Muren und Steinschlag. Es ist an der Zeit, dass sich alle handelnden Akteure dieser immensen Verantwortung für unsere Zukunft bewusst werden.

Die Zahlen zur Klimaerwärmung in unserem Tal, die wir hier auf wald1.at bereits mehrfach detailliert vorgestellt haben, sind keine vagen Modellannahmen für die ferne Zukunft. Es sind unumstößliche Fakten der Gegenwart. Wir haben die Zusammenhänge erklärt und wir sehen die bitteren Konsequenzen jeden Tag vor unserer Haustür: Unsere fichtendominierten Wälder brechen unter der Last von Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer in sich zusammen. Die Zeit der Analysen ist vorbei. Wir müssen handeln, und zwar jetzt!

Die Herkulesaufgabe: 8.500 Hektar Schadfläche

Wir stehen vor der gigantischen Aufgabe, auf mehr als 8.500 Hektar Schadflächen einen völlig neuen, zukunftsfitten Wald aufzuforsten. Gleichzeitig müssen wir den noch bestehenden Wald dringend umbauen.

Es gibt bereits erste, hoffnungsvolle Initiativen: Projekte mit der Aussaat von Pioniergehölzen und Aufforstungen mit Baumarten, die dem neuen, wärmeren Klima gewachsen sind. Doch all diese enormen Anstrengungen stehen auf dem Spiel.

Der Elefant im Raum: Wald und Wild

Das Mölltal hat einen extrem hohen Wildbestand, der jede Aufforstung massiv gefährdet. Hier müssen wir den Mut haben, alte Traditionen zu hinterfragen und Ziele völlig neu zu definieren: Wir müssen weg von der Fokussierung auf teure Jagdpachten und hin zu einer Jagd, die sich kompromisslos am Zustand und an den Bedürfnissen des Waldes orientiert.

Andere Länder beweisen seit Langem, dass dieses Konzept problemlos funktioniert. Ja, Jäger haften rechtlich für den entstandenen Wildschaden. Aber ganz ehrlich: Uns läuft die Zeit davon! Wir können es uns schlichtweg nicht mehr leisten, auf Entschädigungszahlungen für abgefressene Bäume zu warten. Der Wildschaden darf in diesem katastrophalen Ausmaß erst gar nicht entstehen, denn jeder verlorene junge Baum ist ein verlorenes Jahr für unseren Schutzwald. (Diesem drängenden Themenkreis werden wir in Kürze einen eigenen, detaillierten Beitrag widmen.)

Der Waldumbau: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Neben den Kahlflächen müssen wir den bestehenden Wald umbauen – eine Aufgabe, die sich nicht von heute auf morgen erledigen lässt. Wir müssen akzeptieren: Die Fichte hat auf den meisten Standorten bei uns im Tal keine Zukunft mehr. Es ist schlichtweg zu warm für sie geworden.

Auf vielen dieser Standorte ist die Tanne jetzt und in Zukunft die perfekte Alternative. Als ausgeprägte Schattenbaumart bietet sie einen entscheidenden Vorteil: Sie kann im sogenannten Voranbau unter dem schützenden Schirm des noch bestehenden Altbestandes gepflanzt werden. Das Gleiche gilt für die Buche. Beide Baumarten sind in der Jugend empfindlich gegen Spätfrost. Der Altbestand (oder auch ein schnell wachsender Vorwald aus Pionierbaumarten) wirkt hier wie ein natürliches Schutzdach.

Dieser ökologische Umbau erfordert jedoch Zeit und ein feines Gespür. Der kränkelnde Altbestand muss noch so lange durchhalten, bis die junge Waldgeneration unter ihm stark genug ist, um die Schutzfunktion zu übernehmen. Und auch hier schließt sich der Kreis: Diese zeit- und kostenintensiven Maßnahmen des Voranbaus sind völlig sinnlos, wenn die jungen Tannen und Buchen durch unkontrollierten Wildverbiss sofort wieder zunichtegemacht werden.

Unser Fazit: Es gibt keinen Plan B

Wir fahren unseren Wald sehenden Auges an die Wand, wenn wir jetzt nicht radikal umsteuern. Die Forderungen für das Mölltal sind klar und dulden keinen Aufschub mehr:

  • Schluss mit der unreflektierten Fichtenpflanzung!
  • Schluss mit einem Jagdverpachtungssystem, das keine verbindlichen Ziele für den Waldschutz vorgibt!
  • Voller Fokus auf den Aufbau eines klimafitten, artenreichen Schutzwaldes!

Unser Tal braucht seinen Wald. Geben wir ihm die Chance, die er braucht, um uns auch in Zukunft schützen zu können. Es liegt in unserer Hand.