Ein Vierteljahrhundert im Mölltal: Unser Wald im Wandel der Zeit
In den vergangenen 25 Jahren meiner aktiven Zeit durfte ich die Waldwirtschaftsplanung für rund 5.900 Hektar Wald im Mölltal durchführen. Diese Flächen – im Besitz verschiedenster Agrargemeinschaften – sind ein elementarer Teil unserer Heimat.
Dazu muss man wissen: Für das gesamte Mölltal gibt es keine derart detaillierten Gesamtaufzeichnungen. Meine Aufstellungen beziehen sich exakt auf die von mir betreuten Flächen. Da meine Projekte jedoch das komplette Tal umfassten – vom unteren Mölltal bis ganz hinauf nach Heiligenblut –, gehe ich stark davon aus, dass diese Daten hochgradig repräsentativ für den Wald in unserer gesamten Region sind.
Rund 78 Prozent dieser 5.900 Hektar wurden aktiv bewirtschaftet, während die restlichen 22 Prozent als wertvoller Schutzwald außer Ertrag standen und unsere Täler vor Naturgefahren schützen. Ein Blick in meine Unterlagen zeigt, wie sich dieser Wirtschaftswald vor dem Schicksalsjahr 2018 zusammensetzte:
- Fichte: 65,8 %
- Lärche: 26,7 %
- Laubhölzer: 3,8 %
- Zirbe: 3,0 %
- Tanne: 0,4 %
- Kiefer: 0,1 %
Die Klimakrise als Stresstest: Warum der Wald heute so aussieht
Wer in letzter Zeit durch das Mölltal gefahren ist, weiß: Stürme und verheerende Borkenkäferkalamitäten haben seit 2018 immense Schäden hinterlassen. Wenn wir die historischen Zahlen von damals durch die Brille des heutigen Klimawandels betrachten, wird die Ursache für das aktuelle Waldsterben schnell klar:
- Die Fichte (65,8 %) – das Sorgenkind: Die Fichte dominiert diese historische Statistik, ist aber die absolute Verliererin des Klimawandels. Als Flachwurzler ist sie extrem sturmanfällig. Trocknen die Böden durch wärmere Sommer aus, leidet sie unter massivem Trockenstress und kann kein Harz mehr zur Abwehr produzieren. Der hohe Fichtenanteil bot dem Borkenkäfer nach den ersten großen Windwürfen einen sprichwörtlich unerschöpflichen, reich gedeckten Tisch im gesamten Tal.
- Die Lärche (26,7 %) – der Stabilisator: Mit ihrem tieferen Wurzelsystem ist die Lärche deutlich sturmfester und kommt mit Trockenheit besser zurecht. Ihr starker Anteil von über einem Viertel war und ist ein enorm wichtiger Rettungsanker in unseren Beständen, der Schlimmeres verhindert hat.
- Die Zirbe (3,0 %) – der Spezialist der Höhe: Sie ist perfekt an das raue Klima der hochalpinen Zonen angepasst. Durch die steigenden Temperaturen gerät sie allerdings zunehmend unter Konkurrenzdruck, da tiefergelegene Baumarten nun weiter nach oben wandern.
- Tanne (0,4 %) und Laubhölzer (3,8 %) – die fehlenden Puffer: Die tiefwurzelnde, trockenheitsresistentere Tanne und verschiedene Laubholzarten wären für einen stabilen, klimafitten Mischwald essenziell. Ihr historisch minimaler Anteil rächte sich nun bitter, da sie als „Stoßdämpfer“ gegen Stürme und Käfer fehlten.
Mein Fazit: Meine Zahlenhaushalte sind ein wertvolles Dokument der Forstgeschichte des Mölltals. Sie zeigen uns heute aber auch eindrücklich: Der aktuelle Waldumbau ist keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit. Nur wenn wir aus den Ausfällen der Fichte lernen und den Wald der Zukunft durchmischter und tiefwurzelnder gestalten, werden wir unseren nachkommenden Generationen wieder einen stabilen Schutz- und Wirtschaftswald übergeben können.
